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STEREOPHONICS
DER FLUG DES TIGERS


'Seid Ihr in einer Band?', schallt es durch das Taxi, das sich langsam durch die Rushhour fortbewegt. 'Ja sind wir.' Das reicht nicht. Da muss weiter gebohrt werden, denkt sich der Taxifahrer. Vielleicht kann ich meine Tochter ja mit einem Autogramm überraschen oder abends am Stammtisch damit prahlen, wer auf meine Sitze gefurzt hat. 'In welcher?' Kurz angebunden folgt von der Rückbank nur die Antwort 'STEREOPHONICS'. Nicht weiter beeindruckt wühlt das Auto sich samt Fahrer durch die Blechlawine. Nach einer kurzen Pause holt der Fahrer zum nächsten Schlag aus 'Kenne ich nicht'. Leicht irritiert, vielleicht auch gekränkt, lassen Kelly, Stuart und Richard endlich Informationen rüber wachsen. 'Wir haben letztes Jahr ein Duett mit Tom Jones gesungen.' 'Sagt das doch gleich. Tom Jones. Klar, den kenne ich. Krieg' ich ein Autogramm von Euch?'
Förderlich ist solch eine Konversation sicherlich nicht für die STEREOPHONICS. Hat es doch keine Band gerne, wenn sie auf ein Lied minimiert wird, das sie nicht einmal selbst geschrieben hat. Nebenbei gehören die STEREOPHONICS doch seit einigen Jahren zu den Aushängeschildern der britischen Gitarrenmusik und haben immense Erfolge mit den letzten beiden Alben gefeiert. Schädlich fürs Ego kann so was sein. Reagiert Kelly, Sänger und Gitarrist der STEREOPHONICS auf solche Ereignisse doch eher angepisst als amüsiert: 'Es ist gut, wenn die Leute mich dafür mögen, was ich geschrieben habe. Aber wenn ich sterbe, und Einzig und Alleine auf 'Mama Told Me Not To Come' mit Tom Jones reduziert werde, finde ich das nicht gut.' Kelly eben nicht einfach. Es ist bestimmt auch nicht schön für ihn, wenn er während der Fotoshootings gebeten wird, sich auf Telefonbücher zu stellen, damit er annähernd an seine Bandkollegen heran reicht. Aber über solche Ereignisse kann er nur herzlich lachen. 'Ich bin nun mal ein Short-Arse.' Wissen wir. Kann man auch schon daran ausmachen, dass Kelly sein Köpfchen ganz schön strecken muss, um richtig ins Mikrophon zu röhren. Geröhrt hat Kelly auch schon im Zuge seiner Akustiktour durch England. Ohne seine Bandkollegen ist er nur mit einem Piano-Man im Gepäck durch Englands kleine Clubs gezogen, um neue wie auch alte Stücke dem geneigten Publikum zu präsentieren. Als Gründe für diese Tour hat Kelly angegeben, dass er nicht so recht wusste, was er mit seiner freien Zeit anfangen sollte. Ende August war die neue Platte 'Just Enough Education To Perform' im Kasten, und danach war einfach Mal ein Loch im Plan: 'Richard war auf Hochzeitsreise und Stuarts Frau war schwanger. Von daher wusste ich, dass ich mich langweilen könnte.' Kurzer Hand wurde die Tour aus dem Boden gestampft, die hervorragende Resonanz beim Publikum heraufbeschwor: 'Die Tour war im Endeffekt großartig. Seit langer Zeit habe ich mich wieder richtig wohl auf der Bühne gefühlt.' Insbesondere mit dem neuen Material. Sehr zufrieden ist der Sänger mit dem Ergebnis von 'Just Enough Education To Perform'. Hat er es doch ein weiteres Mal geschafft, neue Wege zu beschreiten. Keine immense Gradwanderung oder gar ein Stilbruch zu den Vorgängern 'Word Gets Around' oder 'Performance And Cocktails'. Vielmehr eine Erweiterung, denn auf 'J.E.E.P.' wird vermehrt Wert auf eine größere Variation der Instrumente gelegt, und es halten nebenbei auch noch Anleihen anderer Musikstile Einzug in die Musik: 'Musikalisch unterscheidet sich diese CD zu der vorherigen im einzelnen dadurch, dass wir mit viel mehr Instrumenten gearbeitet haben, einfach experimentierfreudiger waren.' Das weiß auch schon der Opener von 'J.E.E.P.' klar auf den Punkt zu bringen. Treten hier doch Gospelsänger in Aktion, und verleihen dem Ganzen etwas Mystisches: 'Wir wollten immer Mal mit Gospelsängern zusammenarbeiten, hatten aber nie den richtigen Song, um diesen Part in unsere Arbeit zu integrieren. Aber 'Vegas Two Times' ist genau der richtige Song dafür. Außerdem haben sehr viel Folkelemente Einzug in unsere Musik gefunden, höre man sich nur Lieder wie 'Caravan Holiday' an. Früher schreckten wir vor diesen Einflüssen zurück, da wir nicht wussten, wie wir diese Live umsetzen können. Aber der Liveaspekt stand diesmal im Hintergrund.' Klar erkennbar ist, dass die STEREOPHONICS sich immer weiter vom Rock weg bewegen. Hymnen wie 'More Life In A Tramps Vest' vom Erstling gibt es einfach nicht mehr auf 'J.E.E.P.' zu finden. Alles wirkt in sich ruhiger und gesetzter, irgendwie auch wärmer. Scheinbar ein Trend, der derzeit unter englischen Bands hoch im Kurs zu stehen scheint. Betracht man nur Bands wie COLDPLAY oder I AM KlOOT, deren Musik auch nicht von großen Rockeskapaden lebt. Man kann nur gespannt darauf warten, wie sich das walisische Trio in Zukunft weiterentwickeln wird. Was für Kelly Jones definitiv jetzt schon feststeht, ist, dass er nicht wie Tom Jones mit 60 Jahren immer noch auf der Bühne stehen wird. Auch wenn er Tom Jones über alles verehrt, dann weiß er heutzutage schon, dass das kein Leben für ihn wäre: 'Es stehen zwar immer beautiful ladys in the background, aber ich möchte nicht so enden. Ich möchte nicht mit 60 Jahren immer noch auf der Bühne stehen. Vor allem nicht in einem goldenen Anzug.' (Tanja)


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