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ORGY
DRESS FOR SUCCESS


Wenn Bands ihr Image und ihren Look über die eigene Musik stellen, sind sie mit Vorsicht zu genießen. Optische Ablenkungsmanöver kommen in den USA verdammt gut an, aber was Bands wie MARILYN MANSON oderSLIPKNOT perfektionierten, geht bei ORGY fast schon zu weit. Ihr aktuelles Album 'Vapor Transmission' ist eine synthetische Reproduktion altbewährter Standards und bietet nach Abzug von Loops und Riffs nicht mehr als blubberndes Plastik. Zerstören Sie sich selbst.
Die fünf Androiden von ORGY haben ihre Hausaufgaben gemacht. Artig rissen sie die wesentlichen Seiten aus dem 'How To Be A Star'-Lexikon und lasen unter Punkt eins: Durchbruch dank Cover! Klingt simpel, war es auch und deshalb war 1998 das erste sehens- und hörenswerte Lebenszeichen der fleischgewordenen Digimon ein Cover des NEW ORDER-Hits 'Blue Monday'. Der strategisch getimte Angriff auf die US-Charts ging auf, und auch wenn Gitarrist Amir Derakh beteuert, dass 'dabei trotzdem kaum Kohle rumkam', öffnete die Single dem kurz darauf folgenden Album 'Candyass' Tür und Tor. Das Album markierte den ersten Output auf dem KORN-eigenen Label 'Elementree' und spätestens seit diesem Zeitpunkt standen ORGY direkt neben LIMP BIZKIT in den Startblöcken. Es folgte das komplette Programm: Nonstop touring, u.A. im Tross der 'Family Values Tour' (logisch), ein möglichst ausgefeilte und ausgefallene Bühnenshow und Etablierung des namens ORGY in allen relevanten Medien. Im Zuge der Eroberung reduzierte man die Welt auf die 51 US-Staaten, sparte sich mühsame Promotion und Touren in Europa und die US-Teens dankten es ihnen mit Platin. Für das neue Werk 'Vapor Transmission' sahen sich ORGY damit konfrontiert, ihren auf 'Candyass' noch recht wässrigen Sound plötzlich definieren zu müssen und aufstrebende Synthie-GothRock-Bands wie GODHEAD oder MUDVAYNE in ihre Schranken zu weisen. Man flüchtete sich in die virtuelle Realität und machte sie zum grundlegenden Konzept des neuen Albums. Der Mensch als Animation, die Musik als Joystick. Mit einem technischen Kraftakt formten ORGY dieses zweite Album zu einem kleinwüchsigen Zwitter aus Retro und Fortschritt, aus Gothic, Rock, und SynthiePop, der seitens der Band als 'zukunftsweisend' umschrieben wird. Da beißen sich die Meinungen und auch wenn Sänger Jay Gordon in seinen Lyrics zwischen extraterristischen Szenarien und Melancholie pendelt, landet er trotzdem im Nichts. Seine Cyperspace-Geschichtchen lesen sich wie japanische Mangas und die hier und da gestreuten Reminiszenzen an Science Fiction-Filme sind sicher nur Insidern ein Begriff. Der Normalsterbliche klammert sich lieber an handfeste Singalongs, denn auch die bietet 'Vapor Transmission' in seinen hellen Momenten. Erwähnenswert wäre in diesem Zusammenhang Songs wie die Single 'Fiction (Dreams In Digital)' oder 'Eva', der Song über die von Jay hochgeschätzte Mama eines Freundes, die neulich das Zeitliche segnete. 'Vapor Transmission' klingt nach übertriebener Theatralik und krampfhaft erarbeitetem Songwriting, ist mehr Mensch als Maschine und von daher kaum mehr als ein steriles Soundlabor. Das sich sicher exzellent verkauft, denn nie waren die 80er präsenter als im neuen Jahrtausend. (Kajagoogoo)


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