PLEASURE FOREVER
EINMAL ABGRUND UND ZURÜCK
PunkRock-Klänge vermischen sich mit Reminiszenzen an die DOORS, während von irgendwo der Duft des Jahrmarkts weht. Ganz neue, aufregende Töne sind es, die da auf 'Pleasure Forever' von PLEASURE FOREVER zu hören sind, jener Band, die unter all den guten auf 'Sub Pop' vielleicht die herausragende ist. Ihre selbstbetitelte Platte ist jedenfalls das beste Debütalbum in diesem Jahr. Mindestens.
Dabei sind PLEASURE FOREVER gar nicht so neu: Sie machten als VSS schon vor fünf Jahren Musik und gute Platten. 'Aber wir bemerkten, dass wir uns in musikalischer Hinsicht selbst in eine Ecke gedrängt hatten', erzählt Schlagzeuger David Clifford. Also lösten sich VSS auf, und aus Davids Idee, ein Nebenprojekt namens SLAVES zu gründen, wurde eine feste Band - zusammen mit Joshua Hughes und Andrew Rothbard, die schon bei VSS mit von der Partie waren. 'Wir wollten bei SLAVES die Songs etwas reduzieren und dafür mehr mit Dynamik arbeiten. Jede Platte war ein Experiment, die erste nahmen wir live im Proberaum auf, bei der zweiten probten wir eine Woche und hielten das Ergebnis fest.' Aber dann entschied sich die Band, den Namen zu ändern: 'Wir waren immer unzufrieden damit, wie Leute den Namen interpretierten. Grundsätzlich hatten wir den Namen gewählt, weil wir uns mit dem Konzept von Sklaverei beschäftigen wollten. Wir sehen uns nicht als Sklaven. Aber PLEASURE FOREVER ist ohnehin ein besserer Name.'
Welch Idee: Dass Menschen kein Leid empfinden würden, immer glücklich wären - eigentlich furchtbar. 'Man kann keine Freude empfinden, ohne Schmerz zu kennen. Das ist die beeindruckende Poesie des Menschen', stimmt David zu. 'Aber es ist sehr poetisch, wenn Menschen das Leben in vollen Zügen genießen, sich aber auch dabei zerstören können.' Auf der Webseite der Band sind etliche Menschen aufgelistet, die genau so gelebt haben: Angefangen bei Nero, über Charles Manson bis hin zu Jim Morrison. 'Wir stimmen mit ihnen nicht unbedingt überein, aber sie taten, was sie wollten, ohne die Regeln der Gesellschaft zu befolgen. Aber das Problem mit Jim Morrison war, dass er selbstzerstörerisch und zwanghaft handelte. Die interessantesten Personen sind die, die sich über den Abgrund lehnen, aber wissen, dass sie dann einen Schritt zurück machen müssen.'
Verstörend und faszinierend ist das Bild auf der Debüt-EP, die im Frühjahr erschien: Eine scheinbare Marienstatue, die sich als Wachsfigur entpuppt, mit der in der Renaissance Medizinstudenten ausgebildet wurden - ihr Oberkörper ist aufgeschnitten. 'Das Foto gefiel uns, weil einerseits das Gesicht einen Ausdruck von Ekstase zeigt, während die Innereien zu sehen sind. Es zeigt viel von Freunde und Schmerz, Leben und Tod.' (Dietmar Stork)
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