PAIN IN THE ASS
OLD SCHOOL BEATS NEWMETAL
Image ist alles, Musik ist nichts - oder wie sonst soll man sich erklären, dass Bands heute mehr durch ihre Masken, Piercings oder Tattoos auf sich aufmerksam machen als durch ihre Platten? Die Jungs von PAIN IN THE ASS, bisher eher bekannt durch ihre Hauptband SUCH A SURGE, würden den Fokus gerne wieder auf das Wesentliche richten - und so ganz nebenbei den ganzen Weirdo-Kaspern zeigen, dass schnörkellose und harte Musik auch ohne superteures Video und ausgedachtes PR-Image Erfolg haben kann.
In Gegenwart der fünf Braunschweiger sollte man folgerichtig das Wort NewMetal nicht all zu oft fallen lassen, denn es gibt wenig, mit dem man sie momentan mehr aufregen könnte: 'Wir leben in kranken Zeiten. Das Ganze, was momentan so unter dem Begriff NewMetal abgeht, ist doch fürchterlich. Wer hätte vor ein paar Jahren noch gedacht, dass selbst in diesem Musikbereich die Plattenfirmen Bands selber casten? Wenn ich mir die Charts ansehe und mitbekomme, dass da Bands drin sind, deren Mitglieder noch nie zusammen live gespielt haben, kann ich das kaum fassen. Klar, es hat schon immer Trends gegeben, aber früher lief dieser ganze Mist halt in anderen Musikbereichen ab, da musste ich mich dafür nicht interessieren. Jetzt wildern diese Jungs aber in unseren Wäldern, und das kann ich absolut nicht ausstehen', regt sich Bassist Axel Horn verständlicherweise auf.
Dabei ließe sich der momentanen Situation eigentlich auch Positives abgewinnen, schließlich war das Publikum schon seit Jahren nicht mehr so Crossover-offen wie momentan - eigentlich also optimale Vorraussetzungen für eine so stilübergreifende Band wie SUCH A SURGE: 'Klar. Viele, die gehört haben, dass wir jetzt eine PITA-Platte machen, haben uns gesagt, dass das doch völliger Blödsinn ist und dass man jetzt unbedingt eine SURGE-Platte machen muss, um etwas von dem ganzen NewMetal-Hype abzubekommen. Aber das ist es ja gerade, was wir nicht wollen. Stattdessen möchten wir ein Zeichen setzen, dass man durchziehen soll, worauf man Lust hat, und nicht, was der Trend einem gebietet. Ein Freund hat mich kürzlich gefragt, ob ich mich nicht tierisch freuen würde, wenn wir mit dieser Platte trotzdem Erfolg hätten, und ja, ganz ehrlich: Ich werde hier mit einem breiten Grinsen sitzen, wenn diese Scheibe einschlägt.' Stilistisch hat 'Spain' mit Bands wie LINKIN PARK oder TAPROOT dann folgerichtig auch gar nichts am Hut, überraschend abwechslungsreich ist die Scheibe aber dennoch ausgefallen - wer nach den heftigen Live-Shows der Band jetzt auch auf dem Album durchgängiges und schnelles Geknüppel erwartet, dürfte ziemlich erstaunt sein. Da wird mal langsam und bedrohlich gerockt, frühem, rauhem Old School-Punk-Sound Platz gemacht oder sogar - wie im letzten, ironischerweise 'Punk 2001' benannten Track - deutschsprachiger HipHop geboten. Für Axel ist Stilvielfalt schon immer ein Merkmal von PAIN IN THE ASS gewesen: 'PITA waren ja noch nie nur dieses schnelle Knüppelding. Schon auf unserem ersten Demotape von 1997 hatten wir ruhigere Songs mit drauf, aber auf den Konzerten haben wir halt immer nur die harten Nummern gespielt, was zur Folge hatte, dass die meisten Leute PAIN IN THE ASS als HardCore-Band aufgefasst haben. Und das ist ein echtes Problem für uns, denn dann kommen natürlich auch gleich wieder die HardCore-Kids an und sagen: 'Hey, ihr seit doch gar nicht wirklich HardCore, ihr tragt gar keine AGNOSTIC FRONT-Shirts.' Stimmt, wir sind nicht wirklich HardCore, wir sind auch nicht wirklich Rock'N'Roll oder HipHop, und haben das auch nie behauptet. Ich glaube, dass ist auch der Grund, warum wir als einzige Braunschweiger Band etwa in der HipHop-Szene respektiert werden: Wir haben nie gesagt, dass wir eine HipHop-Band sind. Warum sollten wir auch? In den einzelnen Bereichen gibt es immer eine Band, die besser ist als wir: Puren HardCore können SICK OF IT ALL besser, puren Rock'N'Roll SOCIAL DISTORTION und so weiter.'
So ganz nebenbei ist 'Spain' dann übrigens auch noch als Stinkefinger in Richtung der Leute zu verstehen, die SUCH A SURGE im Laufe der vergangenen Jahren ständig den Ausverkauf vorgeworfen haben - nur, weil man statt des typischen, harten Crossovers der frühen 'Gegen Den Strom'-Tage in den vergangenen Jahren auch verstärkt eingängigere und ruhigere Sounds angestimmt hatte: 'Ja, ich kann das echt nicht mehr hören. Diese ganzen Leute, die meinen, wir seien verweichlicht und hätten unsere Eier weggelegt, um jetzt was Softeres zu produzieren - hey Mann, wir sind Musiker und wollen das machen, worauf wir Lust haben. Und das bedeutet bestimmt nicht, dass wir jedes Mal dieselbe Platte aufnehmen. Und klar, diese Platte ist mit Sicherheit ein Zeichen für diese ganzen Leute, die immer meinten, wir könnten keine rauhen und harten Songs mehr schreiben.' (tito)
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