- Text: Roy Fabian
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Demodesaster
HITS FROM THE BONG
Michael Phelps hat ein Problem. Der Goldfisch von Peking soll Haschisch geraucht haben. Und wie es sich für einen Schwimmer gehört, hat er dazu auf eine Wasserpfeife zurückgegriffen. Ob er etwa auf dem Weg zum Becken neben Lil Wayne und Eminem auch Cypress Hills „Hits From The Bong“ gehört hat? Der Müslifabrikant Kellog‘s jedenfalls hat wegen dieser Geschichte den millionenschweren Werbedeal mit Phelps nicht verlängert. Damit Michael trotzdem an seine Körner kommt, spendiert ihm das Demodesaster auf Grundlage der eingesandten Platten ein paar Cornflakes.
A PALE GREY SCENE
MY OCEAN
A Pale Grey Scene verorten sich „irgendwo im Metal-Bereich“. Fürchtet sich da etwa jemand vor dem mittlerweile alles andere als en vogue geltenden C-Beiwort? Dann lassen wir eben die geprügelte Katze aus dem Sack: Das Quintett aus der Hauptstadt macht Metal-Core. Glücklicherweise einen von der besseren Sorte. A Pale Grey Scene knüpfen an die frühen Killswitch Engage an, unternehmen aber auch blitzsaubere Abstecher in Death-Core-Gefilde. Das ist an sich schon ein fetter Braten, leider zünden die Melodien der unvermeidlichen Clean-Vocals nicht so spektakulär. Als erstes Lebenszeichen geht diese EP jedoch vollkommen in Ordnung.
7 Cornflakes
Heimat: myspace.com/apalegreyscene
Live: 7.3. Berlin – Eastend *** 27.3. Berlin Kato
BANGKOK CASH
FUCK YOU OFF
Nee, Ärsche kriechen ist Bangkok Cashs Sache wirklich nicht. Ärsche treten schon eher. Schließlich kommt man aus St. Pauli, nicht unbedingt ein Hort kultivierter Umgangsformen. Das Trio hält es mit Krachdinos wie Fu Manchu, Pothead oder Motörhead und kotzt uns auf seiner dritten EP vier Doom-Punk-Brocken vor die Füße. Die Gitarrenläufe dengeln heavy, der Bass rumpelt mit seiner Fuzz-Distortion im Gedärm und die Stimme gibt sich schön angepisst. Kneipen-Rock-Business as usual, könnte man sagen. Andererseits: Wer erwartet von diesem musikalischen Genre schon Innovation? Lautstark unterhalten muss es, und das können Bangkok Cash ganz ausgezeichnet.
7 Cornflakes
Heimat: myspace.com/bangkokcash
Live: 7.3. Hamburg - Beat Club
BORNHEIM BOMBS
NIVEAU-LIMBO
Die Bornheim Bombs sind ein wandelndes Punkrock-Klischee. Eine Handvoll schlichter Akkorde, ordentlich Promille und die Frankfurter Eintracht – mehr braucht es nicht zum Bomben-Glück. Trotzdem gibt es natürlich noch eine Menge, worüber es sich zu motzen lohnt. Ob Rauchverbot, die Business-Class im Stadion oder blasierte Musikkritiker - die vier Herren haben zu allem einen streetwisen Kommentar übrig. Leider geht ihnen dabei das jugendliche Feuer ab, so dass die Songs trotz Hymnenpotenzials und schicker Soli eher gemütlich dahintuckern. So wirkt das Ganze wie eine Kaffeefahrt nostalgischer Alt-Punks, die eigentlich keiner Fliege mehr was zuleide tun.
5 Cornflakes
Adresse: myspace.com/bornheimbombs
Live: 13.3. Frankfurt - Elfer Music Club
DAS FRISBEE MAUL
PALISANDER MAINSTREAM
Eineinhalb lange Jahre knobelte Michael Hoffmann in seinem Bamberger Dachstudio an dieser Platte und strahlt ob des Ergebnisses wie ein Honigkuchenpferd. Sein Stolz sei ihm gegönnt, denn was dem Frisbee Maul da aus der Schnute purzelt, ist ziemlich vergnüglich. Zu knuffig verzerrten Power-Pop-Melodien mit kräftigem Punkrock-Einschlag amüsiert er sich über seine eigenen Unzulänglichkeiten oder die Pannen, die das Leben auch für den Ambitioniertesten bereithält. Der „scheinbaren Macht, die gnadenlos darüber wacht, dass hier ja keiner zuviel lacht“, zeigt er einfach die Zähne und führt sie damit ad absurdum. Das hat Charme, das hat Esprit und rockt zudem ganz schön nach vorn. Sehr sympathische Platte.
7 Cornflakes
Heimat: myspace.com/frisbeemaul
GUSTAV AND THE SEASICK SAILORS
BRILLIANT HANDS
Aus Richtung Schweden kommt Käpt'n Gustav angeschippert. Im Schlepptau eine trompeten- und oboenblasende Schar Wasserratten und seine neue Langspielplatte. Eigentlich hat die im Demodesaster gar nichts zu suchen, denn es ist schon die dritte und in Skandinavien laufen die Songs sogar bei MTV. Sei's drum, wir sind erfreut, denn die Jungs haben schon was auf der Takelage. Kein Piratenseemannsgarn, eher sanftmütigen und doch flockigen Folk-Pop mit leichtem Jazz-Einschlag. Das erinnert zuweilen an Ben Harper, allerdings fehlen hier die funkigen Momente. Gustav und seine Crew bevorzugen eher das gedankenversunkene Dahinsegeln am blassrot scheinenden Horizont. Ahoi!
7 Cornflakes
Heimat: gatss.com
INKOMPETENT
EMUCORE
Die Brutal-Hart-Schnitzel aus Luckenwalde legen nach „Best Of Sinnlos“ wieder die pelzige Garderobe an. „Wir jebn Jas, wir wolln Spaß“, so abermals das Motto der Metal-Comedy-Schau. Wobei: Inkompetent machen mittlerweile auch in Seemannsballaden, die live wahrscheinlich im Donald Duck-Kostüm präsentiert werden. Ansonsten schnattern die Jungs aber immer noch, wie ihnen der brandenburgische Growlschnabel gewachsen ist. Warme Worte über doppel-d-busige Dorfschönheiten, Vokabeln aus dem Hundereich, Inkompetent haben da so ihre Inspirationen. Musikalisch geben sie sich heuer recht ambitioniert, setzten das aber nicht so gestochen scharf um wie zuletzt. Schön bescheuert ist das trotzdem noch.
5 Cornflakes
Heimat: myspace.com/inkompetent
Live: 21.3. Gera - Shalom
JULIAN GERHARD
DUR AS BADI
„Löse Dich vom Schmerz“, lautet die Übersetzung des persischen Plattentitels. Oder wie es Gisbert zu Knyphausen, Julian Gerhards Mentor von Omaha Records, ausdrückt: „Fick Dich ins Knie, Melancholie!“ Ganz so einfach scheint seinem Schützling die Trauerarbeit allerdings nicht von der Hand zu gehen. Stattdessen vollführt er einen Ringkampf mit seiner Wehmut und nimmt sie mit zittriger Stimme und Indie-Akustik-Pop in den Schwitzkasten. Conor Oberst lässt grüßen. Am Ende blitzt jedoch immer wieder eine „Last Man Standing“-Attitüde auf: „Nichts war so heftig, dass es mich über Bord gehen ließ.“ Denn da gibt es ja noch die starke Verbündete, mit der sich das Böse bekämpfen lässt. Und wer könnte das anderes sein als die Liebe?
6 Cornflakes
Heimat: juliangerhard.de
Live: 8.3. Münster - Sinn & Sünde
TRIADÉ
TONG
Triadé übt sich im Understatement. „Dieses Album ist nicht als Versuch gedacht, in der musikalischen Welt etwas zu bewirken“, steht auf dem Infozettel. Tatsächlich bietet der zweite Longplayer des Kölners nichts Grundfesten Erschütterndes. Schließlich war DJ Shadow schon vorher da. Trotzdem kann sich Triadés Ansammlung aus allerlei Streicher-, Gitarren-, Flöten- und Vocalsamples plus Beats durchaus hören lassen. Dabei geht es ihm weniger um Clubbeschallung als um Kontemplation, schließlich steht das chinesische „Tong“ für „Schmerz“. Streckenweise gerät das etwas langatmig, diverse Kollaborationen verhindern allerdings die große Eintönigkeit. Unter dem Strich zeigt Triadé mit dieser Platte, dass Kummertherapie auch ziemlich lässig gehen kann.
6 Cornflakes
Heimat: myspace.com/triadee
Adresse: andre braun, höninger weg 71, 50969 köl
LIVE: YOUR ARMY, SPITCHILD
20.03.2010
MotorClub @ Magnet Club - LIVE: YOUR ARMY, SPITCHILD - LIVE: YOUR ARMY, SPITCHILD
