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Bild: Vollplaybacktheater
  • Text: Caroline Frey
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Vollplaybacktheater
Eine Jubiläumstour und kein Ende


Wenn man zehn Jahre alt wird, dann kann man schon mal ausgedehnt feiern! Das haben sich auch die Jungs und das Mädel des Vollplaybacktheaters gedacht und laden alle, die sie im April und Mai verpasst haben oder die einfach nicht genug bekommen können, zur zweiten Runde der Geburtstagsshow - natürlich mit den Drei ??? und dem Superpapagei.

Was sie sich nicht gedacht haben, ist wohl, dass sie mit dieser Idee einmal zehn Jahre alt und so was wie Kult werden würden, um nun inzwischen die Hallen dieser Republik ausverkaufen. Wir wollten es genauer wissen und baten Skinny Norris, Morton, John Sinclair und andere, die in Personalunion David Becher heißen - der wiederum ein Sechstel des Ensembles ist - um ein paar Antworten:

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Wo bist du gerade?
Zu Hause.

Das heißt, du bist ausgeschlafen und erholt?
Wir hatten gestern eine Vorstellung - ich würde also sagen: medium.

Wie lange seid ihr jetzt eigentlich unterwegs?
Also insgesamt machen wir das seit acht Jahren. Jetzt gerade hatten wir eine Pause, aber am ersten November geht es wieder los und bis jetzt gibt es ca. 45 Termine bis Ende Januar.

Freust du dich oder sind die Gefühle bei so einem Mammutprogramm eher gemischt?
Ich freu' mich tierisch. Wirklich! Ich find' das super und hätte es mir nicht schöner ausdenken können.

Und es gibt keinen Abend, an dem das alles mal nervt?
Doch.

Gut, das beruhigt.
Das macht aber nichts. Ich muss wirklich sagen, dass das alles ziemlich genau dem entspricht, was mir Spaß macht und worauf ich Bock habe.

Was machst du am liebsten wenn die Tour vorbei ist?
Puh - keine Ahnung. Nach langer Zeit ist es schon mal schön, komplett Ruhe zu haben und einfach mal alleine zu sein.

Ist das wie bei Bands, die immer wieder von einem "Loch" berichten, in das man dann purzelt und in dem man nicht so richtig etwas mit sich anzufangen weiß?
Ja, schon, aber es geht mittlerweile. Ich habe mich inzwischen so organisiert, dass ich so einiges an Krempel, den ich sonst noch so mache, mitnehme. Da ist über die acht Jahre vielleicht auch eine Art Gewöhnung eingetreten.

Wenn du "anderen Krempel" sagst, was meinst du damit?
Ein paar andere Bühnenprojekte und den ganzen Promo-Kram für das Vollplaybacktheater - das kann man auf Tour genauso gut machen, wie im Büro.

Euch gibt es jetzt seit zehn Jahren, kannst du noch mal kurz erzählen, wie alles anfing?
Ich weiß das ja auch aus zweiter Hand, denn die Idee kommt von unserem Super Knut. Er hatte so eine Doppelgarage, mit Werkbänken drin, in der er immer irgendwelches Zeugs gebastelt und gebaut hat. Es gab auch einen Kassettenrekorder, der aber leierte. Ich muss dir als Mitarbeiterin eines Musikmagazins vermutlich nicht erklären, dass man auf einem leiernden Kassettenrekorder definitiv überhaupt keine Musik hören kann. Also hat er
Hörspiele gehört, unter anderem auch Die Drei ??? und hat dazu ein paar Biere getrunken. So kam es, dass er eine von seinen seltenen Sternstunden hatte und auf die Idee kam, dass man daraus doch eigentlich ein Theaterstück machen könnte. Also fing er an, uns andere zusammenzusammeln. Ich hatte ihm eigentlich sogar erst abgesagt...

Warum das?
Ich hab zu der Zeit gerade mein Abi gemacht, der Zivildienst war geplant und wie ganz viele andere junge Leute wollte ich nach Berlin.

Aber du hast dann doch mitgemacht...
Weil er behauptet hat, es wären nur vier Vorstellungen. (lacht)

Wie wählt ihr die Folgen aus? Also gibt es bestimmte Kriterien, die eine Folge erfüllen muss, damit sie für euch interessant ist?
Ja, es sollte schon ein bisschen was passieren und nicht zu dialoglastig sein. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen paradox, weil Hörspiele ja zu einem wesentlichen Teil aus Dialogen bestehen. Es gibt so Folgen, wo sie ganz viel verbal ermitteln, die sind eher ungeeignet. Wir brauchen schon etwas Action oder wenigstens Szenen, aus denen man Action machen kann.
Erstes Kriterium ist aber, ob wir eine Idee zu der Geschichte haben. Meistens reicht es uns schon, wenn uns zu einer Szene etwas Schräges einfällt. Dann müssen wir natürlich genau überlegen, ob wir das mit den Leuten hinkommen und die ganzen technischen Fragen lösen können.

Auch nach Folge 27 ("Dann kam die neue Musik - und der Stimmbruch." - Zitat aus einem Interview mit dem Vollplaybacktheater)?
Theoretisch schon, und wir haben ja schließlich mit Folge 67 angefangen. Trotzdem finde ich die alten Folgen einfach besser, sie haben mehr Charme. Wobei "gutes Hörspiel" ja nicht unbedingt ein Kriterium für uns ist.

Wie definierst du denn "gutes Hörspiel"?
Eine komplexe Geschichte, ein spannender Aufbau der Charaktere und passende Stimmen. Lauter Sachen, die für die triviale Hörspielunterhaltung eher nicht ausschlaggebend sind. Aber umgekehrt wäre es vermutlich komisch, wenn wir versuchen würden, ein modernes Radiofeature umzusetzen. Ich will nicht ausschließen, dass das geht, aber ich glaube nicht, dass es so lustig werden würde.

Vor allem würde ja der Kult-Faktor, den Die Drei ??? definitiv haben, fehlen...
Genau. Der ist ganz wichtig. Es ist auch wirklich nicht schlecht, wenn Figuren, die wir uns vornehmen, von selbst schon ein bisschen überzeichnet sind. Deshalb können wir mit Sachen wie Hanni und Nanni, Flash Gordon, John Sinclair etc. super arbeiten.

Funktionieren Hanni und Nanni denn so gut wie Die Drei ???
Nein. Nach den Drei ??? kommt erst mal ganz lange nichts. Die sind die absoluten Platzhirsche der Kinderhörspiele und es ist wirklich unglaublich, wie bekannt die sind.

Hast du eine persönliche Lieblingsfolge?
Damit tue ich mich schwer. Ich mag den "Seltsamen Wecker" einfach, weil er seltsam ist und ich mag dieses total trashig, bekloppte Schreien von den Weckern - die Folge hätte auch von uns sein können.

Das heißt, du kannst das privat tatsächlich noch hören?
Also ich hatte als Kind selber nicht eine einzige Folge, habe aber immer mal bei Freunden mitgehört. Ich hab' damals Radiohörspiele gehört und das mache ich tatsächlich immer noch gerne. Es ist mir die liebste Darreichungsform von Hörspielen. Aber insgesamt kann ich nicht mehr normal Hörspiele konsumieren, da hat mich das Vollplaybacktheater schon sehr verändert.

Interessiert ihr euch noch für die aktuellen Veröffentlichungen der Drei ???
Ja, auf jeden Fall. Das haben wir schon im Blick, auch wenn wir vielleicht nicht die aller ersten im Laden sind, die sie kaufen.

Den Superpapagei habt ihr schon mal gemacht...
Ja, das war unsere zweite Show und die erste, mit der wir auf Tour gegangen sind. Wir haben uns jetzt noch mal das Video von der Show angeguckt. (lacht). Uuuihhhh - ich würde sagen, wir haben uns weiterentwickelt - was für ein Glück!

Warum habt ihr euch gerade diese Folge noch mal für die Jubiläumstour ausgesucht?
Die hat so ein Jubiläumsgeschmäckle - erste Folge und unsere erste Tourshow, das passte.

Bei den ersten Shows lief ja wirklich nur die Hörspielkassette, dann habt ihr angefangen, eigenes oder anderes in die Geschichte hineinzubasteln. Wie kam es dazu?
Nachdem wir drei Folgen gemacht hatten, hatten wir so ein "Das können wir jetzt"-Gefühl. Das ist ja das Schöne an den Folgen, dass sie sich irgendwie ähnlich sind. Für uns hatte das Ganze dadurch aber irgendwie an Reiz verloren. Dann haben wir ganz vorsichtig angefangen, mit anderen Sachen zu spielen und Blut geleckt. Am Anfang waren das Kleinigkeiten, wie ein Lied, wir haben damals sogar einfach die Kassette angehalten und selber gesungen. Bei den
"Rätselhaften Bildern" gab es eine Figur namens Hel und wir sangen "Highway to Hel". So fing die Assoziations-Kiste an, die einfach echt Spaß gemacht hat.

Täuscht mich das oder wird es von mal zu mal mehr?
Das schwankt. Irgendwann haben wir mal ein komplettes John Sinclair Hörspiel in ein ebenfalls komplettes Hanni Und Nanni Hörspiel geschnitten. Das hat total gut funktioniert, gerade weil es so abwegig auseinander ist. Dadurch ist eine Leichtigkeit entstanden, die uns erlaubt hat, alles was wir wollten, einfach auch zu machen.

Kannst du dir vorstellen, dass das eigentliche Hörspiel irgendwann in den Hintergrund tritt?
Keine Ahnung, ob das dahin läuft oder nicht. Es ist schon so, dass das eigentliche Hörspiel, das ist, was die Leute sehen wollen. In der aktuellen Show haben wir den Schwerpunkt wieder ein bisschen mehr auf das Erzählen der Geschichte verlegt, im Gegensatz zu den beiden letzten, in die wir wirklich sehr viel reingeballtert hatten. Die Reaktionen sind zwiegespalten - die einen finden es überladen, weil es ihnen zu viel wurde und die anderen stehen gerade darauf. Wir versuchen das einfach ein bisschen zu variieren - so bleibt es für uns spannend und ist auch für unser Publikum nicht so vorhersehbar.

Ist das Nicht-Sprechen-Dürfen eigentlich schwierig?
Es geht. Es war am Anfang sehr komisch, beim Proben flüstert man auch mehr mit, weil es schon wichtig für den Ausdruck ist. Auf der anderen Seite ist es toll, weil man so befreit nebenher spielen kann und sich nicht auch noch auf (s)eine Stimme konzentrieren muss. Außerdem kannst du auf der Tour abends saufen so viel wie du willst, das ist total egal. Es wären schon manche Vorstellungen gefährdet gewesen, wenn wir unsere Stimmen hätten einsetzen müssen. (lacht)

An welche Geschichte denkst du, wenn du das Wort "Bühnenpanne" hörst?
Das war in München, es gab schon von vorneherein Stress und es war eine der wenigen Shows bei der ausnahmsweise der Backup-Rechner nicht parallel lief und prompt ist mitten in der Show der Rechner abgestürzt. Natürlich stand zu dem Zeitpunkt das komplette Ensemble auf der Bühne, es gab also niemanden, der hinter der Bühne die Kommunikation zum Technikpult hätte übernehmen können. Wenn ein Band angehalten wird, machen wir immer und automatisch ein Freeze - hören also alle auf, uns zu bewegen. So standen wir dann da rum, gefühlte zwanzig Minuten, die vermutlich real anderthalb waren. Wenn die Technik ausfällt, wird es echt schwierig, alles andere ist irgendwie handhabbar.

Eigene Hörspiele gibt es inzwischen zwei?
Eigentlich zweieinhalb, eins war ein bisschen kleiner und nur der tatsächliche Vorspann zu unserer Show. Aber es gibt zwei komplette, vollwertige Hörspiele. Die schreibt unser Dr. Thomas. Entstanden ist das eigentlich auch aus einer Idee zur Show. So eine Kassette ist ja nun mal nur eine Dreiviertelstunde lang, wir brauchten aber ein abendfüllendes Programm. Warum machen wir also nicht ein bisschen Vorprogramm und warum soll das dann nicht auch etwas mit der eigentlichen Show und mit den Drei ??? zu tun haben, aber im grundlegend ganz von uns kommen?!

Aber ihr habt das nicht selber eingesprochen.
Nein, wir sind zwar alle auch zu hören, aber wir hatten vor, uns professionelle und bekannte Sprecher zu suchen, weil wir richtige Hörspiele daraus machen wollten. Es hat sich ja auch gelohnt, für das erste haben wir zwei Preise bekommen. Der Achim Höppner war aber auch ein wirklich geiler Sprecher.

Im Gegensatz zu den echten Drei ??? werdet ihr ja älter - glaubst du, dass es einen Punkt geben wird, an dem es nicht mehr weitergeht?
Wir machen das ja jetzt schon zehn Jahre lang, sind alle irgendwie erwachsen oder so was in der Art, können davon einigermaßen leben und bisher sind wir immer von einer Produktion in die nächste gestolpert, aber haben genau darüber vor kurzem erstmalig nachgedacht. Meine Antwort wäre ein klares "ja". Wir sind jetzt so Mitte 30 und spielen kleine Jungs und ich könnte mir vorstellen, dass das mit Mitte 50 fast noch ein bisschen lustiger werden könnte.


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