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Bild: Zwei aus dem Clan
  • Text: Patrick Heidmann
  • Fotograf: Erik Weiss
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Zwei aus dem Clan
Interview mit Denis Moschitto und Moritz Bleibtreu


Mit Freunden zu arbeiten ist das Schönste, zumindest für Akin. Deswegen schart er sie immer wieder um sich, wenn er einen Film produziert. Im Fall von "Chiko", dem Regiedebüt seines Kumpels Özgür Yildirim, spielen deswegen auch zwei Schauspieler die Hauptrollen, die schon seit geraumer Zeit zu den Wegbegleitern des Hamburgers gehören: Denis Moschitto, der schon in der von Akin geschriebenen Komödie "Kebab Connection" zu sehen war, und Moritz Bleibtreu, der Star seiner Filmer "Solino" und "Im Juli". Wir trafen die beiden zum Interview.

"Chiko" wurde von Fatih Akin produziert, mit dem ihr beide schon vorher zusammengearbeitet habt. Gehört ihr zu seiner viel gerühmten Posse - oder gibt es die gar nicht wirklich?

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Denis: Oh, na klar, der Clan!
Moritz: Doch, die gibt es schon, das ist kein Medienkonstrukt. Darauf sind auch alle Beteiligten ein Stück weit sehr stolz. Ich persönlich finde das geil und liebe es, wenn man so Scorsese-mäßig bei jedem Film mit denselben Leuten zusammenarbeitet und sich alle immer wieder treffen. Nach und nach wird das Team immer größer und es wächst auch gleich eine nächste Generation mit heran. Für Fatih ist ein Film nicht nur Arbeit, sondern immer auch ein Stück Leben, etwas ganz Privates. Ich kenne deswegen kaum einen anderen Regisseur, der so darauf bedacht ist, dass sich alle Leute um ihn herum wohl fühlen und Spaß haben. Das ist der große Vorteil an der Arbeit mit ihm, egal ob als Regisseur oder als Produzent: das Arbeitsklima ist extrem geil.
D: Unter diesem Gesichtspunkt sucht er sich dann eben auch sein Team zusammen. Er achtet genau darauf, dass da Leute zusammenarbeiten, bei denen das auch funktionieren kann. Bei unserem Dreh zu "Chiko" waren wir ein wirklich extrem homogenes Team und das hat wirklich sehr viel Spaß gemacht.
M: Es war auch unglaublich professionell, was mich wahnsinnig beeindruckt hat. Der Film ist immerhin der Erstling von Özgür Yildirim, und auch für unseren Kameramann war es der erste lange Film. Da denkt man natürlich, dass man auch die eine oder andere Unsicherheit mitbekommt. Aber genau das Gegenteil war der Fall! Das ist Ding ist gelaufen - unglaublich! Ich habe es lange nicht erlebt, dass man so sehr gemerkt, dass wirklich alle am Set für diesen Film gebrannt haben. Nicht in einer einzigen Sekunde hat irgendjemand am Set rumgeunkt, die Lust verloren oder sich übers Essen beschwert - und diese Motivation merkt man dem Film auch an.

Ist Özgür denn ein "Fatih Akin der neuen Generation"?
D: Auf jeden Fall funktionieren sie richtig gut zusammen. Fatih hat Özgür am Anfang immer mit den Worten vorgestellt: "Der ist genauso wie ich!" Das stimmt natürlich letzten Endes nicht ganz, aber die sind schon sehr auf einer Wellenlänge.
M: Der Vergleich ist auch durchaus gestattet. Sie sind zwar zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten, haben ganz verschiedene Formen von Talenten und gehen auch ans Filmemachen völlig anders heran. Da, wo Fatih am Anfang seiner Karriere ein sehr bauchiger, ungestümer Regisseur war, der nicht so wahnsinnig viel Wert auf Visuelles und Ästhetik gelegt hat, ist Özgür jemand, der viel technischer und feiner ist. Aber durch das Feuer, das sie beide für ihre Filme haben, sind eben doch miteinander zu vergleichen.

Wie ist das für euch als Schauspieler, wie könnt ihr dieses Feuer jedes Mal wieder entfachen?
M: Ich brauche dafür das Feuer des Regisseurs, seine Ermutigung und Hilfe, den Ansporn, die Leidenschaft, den Bock und den Spaß. Wenn ich merke, da kommt etwas zurück, dann macht es das für mich total einfach und ist überhaupt kein Problem. Aber sobald ich gegen etwas anarbeiten muss, wo das nicht da ist, dann wird es schwer, sich zu motivieren.
D: Natürlich kommt es aber auch auf das Projekt an. Es gibt schon Rollen, die man aus dem Ärmel schüttelt, weil man so etwas Ähnliches schon ein paar Mal gemacht hat und weiß, wie es funktioniert. Aber bei "Chiko" haben wir alle von Anfang gewusst, dass wir hier etwas wagen! So etwas kann man nicht mal eben aus der Hüfte schießen. Das macht man mit richtigem Einsatz oder gar nicht.

Worin genau bestand denn dieses Wagnis?
D: Zunächst einmal ist dieses Genre natürlich sehr untypisch für den deutschen Film. Und diese Geschichte dann auch noch mit so einer Energie erzählen zu wollen und die Kamera auch draufzuhalten in Szenen, in denen es schmerzt, das ist erst recht ungewöhnlich. Denn "Chiko" kritisiert ja eben nicht in erster Linie irgendwelche sozialen Missstände, sondern ist einfach nur ein Gangsterfilm. Das allein ist schon ein Wagnis.
M: Ich sehe das auch so. Natürlich wird man sich rechts und links wieder den Vorwurf anhören müssen, die Geschichte sei zu wenig motiviert und zu gewalttätig. Wahrscheinlich fragen wieder viele, wie man so etwas unter den Scheffel der Unterhaltung stellen kann. Aber dazu kann ich nur sagen: das ist ein internationales, sehr gut funktionierendes, tolles Genre. Ich liebe Gangsterfilme und bin mit ihnen groß geworden. Bei "Der Pate" oder "Scarface" hat doch auch keine gefragt, warum die das gemacht haben!

Findet ihr denn, dass der Film in Sachen Gewalt außergewöhnlich weit geht?
D: Ich würde jetzt gerne sagen "ja", aber das stimmt einfach nicht. Es werden keine Grenzen überschritten! Ich finde es so faszinierend, dass viele Menschen den Film als so grausam empfinden, denn das hat gar nichts mit der tatsächlichen Gewalt zu tun, die in dem Film stattfindet. Natürlich gibt es einiges an harten Szenen, aber was da an Brutalität passiert ist eigentlich viel subtiler. Als zum Beispiel einmal eine ältere Frau zusammengeschlagen wird, findet das letztlich im Off statt - und trotzdem verliert die Szene nichts an Drastik. Der Film ist meiner Meinung nach in erster Linie so schwer zu verdauen, weil er emotional ist und nicht, weil er ein plumper Haudrauf-Streifen wäre. In jeder Folge der "Sopranos" fließt mehr Blut als bei uns im ganzen Film.

Zuletzt wurde in Deutschland wieder viel über Jugendliche mit Migrationshintergrund und Integrationspolitik gesprochen. In "Chiko" geht es darum kaum, aber wahrscheinlich fragt euch trotzdem jeder dazu. Nervt das?
D: Es nervt mich, aber eher aus persönlichen Gründen. Ich habe einfach nichts Sinnvolles zu sagen, was der Debatte weiterhelfen könnte. Nur weil ich selber einen Migrationshintergrund habe, heißt das nicht, dass ich Bescheid weiß, wie es richtig zu laufen hat. Für den Film können solche Diskussionen aber natürlich durchaus positiv sein und Aufmerksamkeit bringen, auch wenn wirklich klar ist, dass der Film sich überhaupt nicht auf die aktuelle Situation der Migrationspolitik in Deutschland bezieht. Wenn überhaupt geht es um soziale Schichten.
M: Wenn man diese Themen trotzdem unbedingt zusammenbringen möchte, lässt sich dazu auch nur sagen, dass der Film das perfekte Beispiel in sich trägt. Denn es geht zwar vordergründig um die beiden Ausländer, die die Scheiße bauen. Aber derjenige, der letztendlich die Fäden zusammenhält und das größte Drecksschwein ist, ist meine Rolle. Ein Deutscher!


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